Detail

Ihr aktueller Standort

Der Traum(job) in weiß

Zufriedene Gesichter vlnr. Marlies Golze, Willkommensbegleiter Christian Sauer und Lokman Khalil (Foto: Fachkraft im Fokus)

Ein Handwerk will gelernt sein. Das ist richtig. Doch es ist mehr als das Erlernen von Techniken und Fachwissen. Mit zwei linken Händen wird es schwierig, ein Handwerk zu erlernen. Beim Schneidern zählen noch andere wichtige Eigenschaften wie Talent, Gespür oder Kreativität. Im Bereich der Abend- und Brautmode spielen diese Fähigkeiten eine besondere Rolle. Schließlich möchte jede*r an diesem besonderen Tag die oder der Schönste sein. 

In Reddeber, einem Ortsteil von Wernigerode, sitzt GolzeGlamourös. Das Geschäft um Inhaberin Marlies Golze ist nicht nur in und um Wernigerode gefragt. Viele Kund*innen kommen aus ganz Deutschland. Vor allem seitdem GolzeGlamourös durch einen Bericht im Fernsehen landesweit bekannt geworden ist. Seit einiger Zeit sucht das Unternehmen eine*n Schneider*in mit eben den besonderen Fähigkeiten. „Neben unseren Kleidern und Anzügen aus den verschiedenen Marken-Kollektionen bieten wir auch Maßanfertigungen an. Wer als Schneider bei uns anfängt, muss daher schon Erfahrungen im Brautmodengeschäft mitbringen“, erklärt Marlies Golze. Seit längerem ist sie bereits mit Willkommensbegleiter Christian Sauer von der Landesinitiative Fachkraft im Fokus in Kontakt.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist der gelernte Schneider Lokman Khalil aus Syrien. Im August 2017 sucht er bei der beruflichen Integration die Unterstützung von Christian Sauer. „Da ich die Anforderungen von Frau Golze kannte, habe ich im Rahmen der Kompetenzfeststellung Herrn Khalil gezielt nach bestimmten Fähigkeiten und Erfahrungen gefragt. Anhand seiner Berichte und auch zahlreicher Fotos, die er mir auf seinem Handy zeigte, habe ich einen sehr guten Eindruck von ihm gewinnen können“, erinnert sich Christian Sauer. Lokman Khalil hat viele Jahre spezialisiert im Brautmodengeschäft in Syrien und im Libanon gearbeitet. Brautkleider sind dort oft sehr raffiniert und erfordern besonderes handwerkliches Können. Diese Erfahrung wie auch seine Kenntnisse im Umgang mit moderner Näh- und Schneidertechnik ermöglichen ihm ein Praktikum bei GolzeGlamourös. Im Vorstellungsgespräch verstehen sich Lokman Khalil und Marlies Golze trotz der sprachlichen Hürden schnell und fachsimpeln über ihr Handwerk. Willkommensbegleiter Christian Sauer klärt mit dem Jobcenter Sangerhausen die betriebliche Erprobung ab. „Das Jobcenter bewilligte die betriebliche Erprobung reibungslos trotz der Splittung über mehrere Samstage. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Doch nur so konnten wir uns einen Eindruck von Herrn Khalil machen. Die meisten Kund*innen gehen an einem Samstag ihren Hochzeitstraum aussuchen. Das heißt, an diesem Tag hat man den meisten Trubel und mit vielen Kunden Kontakt. Wir wollten sehen, wie er damit zurechtkommt. Eine besondere Herausforderung war für ihn natürlich der Einsatz bei der Wernigeröder Hochzeitsmesse, die eine wichtige Veranstaltung für unser Geschäft ist“, so Marlies Golze.

Lokman Khalil wird von Anfang an aktiv in das Geschäft eingebunden. Marlies Golze steht ihm dabei nicht nur fachlich mit Rat und Tat zur Seite. Sie kümmert sich um eine Übernachtungsmöglichkeit. Denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es nicht möglich, zwischen seinem Wohnort Sangerhausen und Reddeber zu pendeln. „Ich bin Frau Golze so dankbar. Auch dass sie mir für die Messe einen Anzug geliehen hat. Ich habe mich dadurch noch stärker als Teammitglied gefühlt“, erinnert sich Lokman Khalil. Der 36-jährige Syrer kann seine Erfahrungen ausspielen. Die betriebliche Erprobung läuft gut. „Wir sind wirklich zufrieden mit seinen Kenntnissen und Fertigkeiten. Herr Khalil hat zwar bisher keine Erfahrungen in der Männermode gesammelt. Hier zeigt sich sein Können. Er hat problemlos Sachen nachgenäht, die wir ihm gezeigt haben. Außerdem hat er sich wirklich gut in unser Team eingepasst“, ist Marlies Golze zufrieden.

Lokman Khalil arbeitet seit dem 1. März 2018 bei GolzeGlamourös. „Es ist toll eine Chefin vom Fach zu haben, mit der ich mich austauschen kann. Mein Chef in Syrien war kein Schneider. Es ist auch schön, mit den Kunden zu sprechen. In Syrien habe ich nur genäht und hatte keinen direkten Kundenkontakt. Ich bin froh über meine Arbeit bei GolzeGlamourös“, blickt Lokman Khalil positiv in die Zukunft. Jetzt geht er die nächsten Schritte an. Er möchte seinen Familiennachzug regeln und nach Wernigerode ziehen.